Weissbuch Stadtraum Zürich HB

Mit dem neuen Weissbuch wurde die vielbeachtete Vision aus der Testplanung geprüft, geschärft, konkretisiert und in ein strategisches Planungsinstrument überführt.

Im Zentrum steht der Bahnhof als verkehrliche und städtebauliche Drehscheibe – als Hyperzentrum der Schweiz. Dafür braucht es eine grundlegende Neuausrichtung der Prioritäten: Heute wird der MIV deutlich bevorzugt – im Stadtraum des Bahnhofs hat eine Person im Auto 165-mal mehr Platz und 56-mal längere Grünphasen als eine Person zu Fuss. Dabei spielt der MIV für den Bahnhof nur eine sehr marginale Rolle: fast die gesamte Anbindung Bahnhof - Stadt erfolgt über den ÖV und Fussverkehr. Schon heute passieren täglich 700'000 Fussgänger den Stadtraum Hauptbahnhof, 250 Trams pro Stunde (!) durchqueren ihn (in Zukunft werden es täglich 900'000 Fussgänger und stündlich 350 Trams sein). Auch die bahnhofsnahe Innenstadt mit ihren zahlreichen Geschäften lebt hauptsächlich von diesen enormen Fuss- und ÖV-Frequenzen.

Damit der Bahnhof seine Rolle als Verkehrsdrehscheibe künftig besser erfüllen kann, erhalten ÖV und Fussverkehr in der Vision Priorität. Bahnhofplatz, Bahnhofquai und Bahnhofsbrücke werden autofrei, alle Tramhaltestellen – inklusive der neuen, BeHiG-konformen Haltestelle auf der Bahnhofsbrücke – sind direkt und hindernisfrei zu Fuss erreichbar. Für Anlieferung, Zufahrt und Notfahrzeuge bleiben die Räume zugänglich. Mit dem Ausbau der Nordumfahrung gibt es für den durchfahrenden Autoverkehr ausserdem neue und schnelle Möglichkeiten. Auch der Veloverkehr profitiert: an 4 Stellen gibt es grosszügige Velostationen, der Velotunnel als neues Netzelement schafft neue, schnelle Verbindungen.

Gleichzeitig ist der Bahnhof eine städtebauliche Drehscheibe. Die Mehrheit der Menschen ist hier nicht unterwegs, sondern nutzt den Raum zum Treffen, Einkaufen, Verweilen. Damit dieses Potenzial greift, wird der öffentliche Raum als Aufenthaltsort gestaltet – mit Sitzbänken, Brunnen, Bäumen und wasserdurchlässigen Belägen, die ein angenehmes Stadtklima schaffen. Die angrenzenden Erdgeschosszonen können die Seitenräume zusätzlich beleben, etwa mit Boulevardgastronomie.

Das Weissbuch zeigt auch, wie die Vision rasch zum Projekt wird: Ab 2027 sind flankierende Massnahmen zur erweiterten Nordumfahrung vorgesehen. Wie bereits bei der Westumfahrung in 2009 sollen diese Massnahmen dazu beitragen, den Autoverkehr nicht nur im Zentrum, sondern vor allem auch in den Quartieren zu reduzieren und stadtverträglicher zu führen.

Projekttitel:

Weissbuch Stadtraum Hauptbahnhof, Zürich

Team:
  • Atelier CORSO GmbH (Lead, Co-Gesamtleitung; Städtebau, Stadtraum)
  • Studio Vulkan AG (Lead, Co-Gesamtleitung; Landschaftsarchitektur)
  • Uniola AG (Landschaftsarchitektur, Stadtklima, Ökologie), Basler & Hofmann AG (Verkehr, Tiefbau), Albprojekte (Sozialraum)
  • Hosoya Schaefer AG (Städtebau, Architektur), B+S AG (Verkehr), IBV Hüsler (Verkehr)
Auftraggeber:
  • Stadt Zürich, Tiefbauamt, Amt für Städtebau Zürich